Konzerthaus – Porträts – Barbara Hannigan
Barbara Hannigan

Barbara Hannigan © Elmer de Haas

Barbara Hannigan

Seit Jahren erweckt die fulminante Sopranistin Barbara Hannigan in Konzert und Oper die anspruchsvollsten Partien, vor allem aus der Musik der Gegenwart, zum Leben. Parallel zu ihrer weltweiten Gesangskarriere lebt sie ihre professionelle Leidenschaft als Dirigentin aus. Diese Kombination macht sie zu einer der faszinierendsten Musikerinnen unserer Zeit.

Ein denkwürdiger Abend: Zum 80. Geburtstag von György Ligeti waren bei Wien Modern auch die «Mysteries of the Macabre» zu erleben, jene herrlich absurde, mit aberwitzigen Koloraturkunststücken und instrumentalen Gags gewürzte Auskopplung der Anti-Anti-Oper «Le Grand Macabre». Die famose Sängerin, die damals quasi-szenisch als Chefin der Geheimpolizei die Bühne des Mozart-Saals eroberte und mit ihren bis in die Sopranstratosphäre aufsteigenden Stimmkapriolen Jubelstürme entfachte, war Barbara Hannigan: Über so viel Virtuosität und Humor musste damals auch der Meister selbst vom Rollstuhl aus verschmitzt grinsen.

Geboren in der kanadischen Seeprovinz Nova Scotia, war sie schon als Zehnjährige überzeugt, dass die Musik ihr Lebensmittelpunkt werden solle. Rasche Auffassungsgabe, ein untrügliches Rhythmusgefühl sowie stimmliche Flexibilität bis in höchste Höhen prädestinierten die junge Sopranistin für die oft extremen Anforderungen der zeitgenössischen Musik. Doch ließ sich Hannigan trotz unzähliger Ur-, Erst- und Wiederaufführungen nie darauf festnageln, reüssierte nicht nur mit Werken Ligetis, George Benjamins oder Toshio Hosokawas, sondern auch in Klassikern der Moderne wie Bergs «Lulu» oder Zimmermanns «Die Soldaten» und pflegte daneben auch das ältere Repertoire.

«Du singst wie ein Dirigent», versuchten Kolleginnen und Kollegen Hannigans Bühnenpersönlichkeit manchmal zu beschreiben. Schließlich traf sie die Entscheidung, ihr ohnehin längst fühlbares Talent in dieser Richtung zu nützen und zusätzlich noch Dirigentin zu werden, um auf eine weitere, andere Weise ganz in der Musik aufgehen zu können. Mit diesem Schritt erregte sie in einem immer noch männlich dominierten Beruf gehöriges Aufsehen. Doch schon mit ihrem Debütkonzert 2011 in Paris war ihr der Nachweis gelungen, eine genaue Vorstellung von den Werken zu haben, diese verwirklichen zu können und dabei weder technische Hürden noch Vergleiche scheuen zu müssen: Strawinskis «Renard» und Ligetis «Mysteries» sind nichts für Laien am Pult – und Hannigan ist jeder Zoll ein Profi. Das wissen mittlerweile viele Orchester bis hin zu den Berliner Philharmonikern und spielen mit Freude unter ihrer inspirierenden Leitung. «She is one of the best musicians out there», rühmt sie Sir Simon Rattle schlicht – und hat sich auch schon Konzerte mit ihr geteilt.

Drei gewiss denkwürdige Abende im Wiener Konzerthaus beleuchten diese fesselnde Interpretin von verschiedenen Seiten, wobei die klassische Wiener Moderne im Mittelpunkt steht. Im Rahmen eines Liederabends stellt Barbara Hannigan mit Reinbert de Leeuw am Klavier dabei auch Werke Alma Mahlers zur Diskussion; ein Konzert mit dem Emerson String Quartet lässt uns in Schönbergs 2. Streichquartett «luft von anderem planeten» fühlen. Und zum Finale geht sie aufs Ganze: Da ist sie als Dirigentin und zugleich Solistin etwa von Bergs «Lulu»-Suite zu erleben und erarbeitet außerdem Musik von Schönbergs Freund George Gershwin.

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