Konzerthaus – Porträts – Sir András Schiff
Sir András Schiff

Sir András Schiff © www.lukasbeck.com (Ausschnitt)

Sir András Schiff

Das Alte und das Neue Testament der Klavierliteratur bilden das geistige Fundament seiner Arbeit. Den Schritt zur zyklischen Annäherung von Bach zu Beethoven hat er freilich erst mit 50 gewagt, als Ergebnis einer mit Umsicht vollzogenen Entwicklung. Wenige Künstlerinnen und Künstler haben solche Skrupel und einen so hohen moralischen Anspruch an ihr eigenes Tun wie Sir András Schiff, der musikalische Weltbürger aus Budapest. Im Wiener Konzerthaus ist er seit 35 Jahren ein Fixstern.

Es war einer dieser raren Momente. Ein junger Pianist aus Ungarn trat im Mozart-Saal aufs Podium, um die Goldberg-Variationen vorzutragen, und in einem einzigen Augenblick war klar: Er spielt in seiner eigenen Liga. Zu einer Zeit, als die Originalklang-Debatte die Gemüter erhitzte, interpretierte er Bachs Musik auf dem Bösendorfer mit einer Souveränität, die über jeden Einwand erhaben war. Er spiele Bach, «wie die Kuh Milch gibt», schrieb ein Kritiker in Abwandlung eines Bonmots von Richard Strauss.

1982 die Goldberg-Variationen, 1984/85 bereits ein ganzer Bach-Zyklus, mit beiden Bänden des Wohltemperierten Klaviers – in Wien war Sir András Schiff, geboren 1953 in Budapest, bald kein Geheimtipp mehr. Dass er 1987 die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt, ermöglichte ihm den internationalen Durchbruch: «Ich war ja Flüchtling und brauchte vorher für alle meine Konzertreisen Visa.» Seit 2001 besitzt er außerdem einen britischen Pass, und seit 2014 darf er den Titel «Sir» in seinem Namen führen.

In einem frühen Interview hat Sir András Schiff sinngemäß postuliert, dass er der «Hässlichkeit unserer Zeit» die Schönheit der Musik entgegensetzen wolle. «Im Grunde stimmt das immer noch, wobei die Hässlichkeit der Gegenwart schlimmer geworden ist», sagt er, und meint damit wohl nicht allein die akustische Umweltverschmutzung, der wir heute ausgesetzt sind. 1979 hatte er seine Heimat verlassen, weil ihm das gesellschaftliche Klima hinter dem Eisernen Vorhang die Luft zum Atmen nahm. Doch die gegenwärtige politische Entwicklung in Ungarn bedeutete für ihn, der stets auch öffentlich Stellung bezieht, den endgültigen Bruch.

Wirklich zu Hause war Sir András Schiff ohnehin seit jeher in seiner Musik, und wenn er mit den Meisterwerken der Klassik und Romantik in internationalen Konzertsälen unterwegs ist, sieht er darin auch eine Art Mission. «Große Kunst ist nicht Unterhaltung, sondern eine erzieherische, moralische Sache. Da haben wir Interpreten eine große Verantwortung.» Die Schönheit sei dabei nur ein Aspekt. Gerade in besonders «harmonischen» Stücken komme es ja darauf an, «das Abgründige und die Zerrissenheit» dahinter spürbar zu machen; «deswegen ist Mozart der schwierigste Komponist».

Die Porträtreihe, die das Wiener Konzerthaus seinem Ehrenmitglied nun ausrichtet, versammelt, was ihm ein Anliegen ist. Von Bach bis Bartók und Janáček, von Beethoven bis Brahms und Schumann spannt sich der musikalische Kosmos, in dem auch Mieczysław Weinberg nicht fehlen darf, und als Herzstück Haydn und Mozart, im Verein mit «seiner» Cappella Andrea Barca, die er 1999 eigens gegründet hat, um die spezifische Klangwelt der Wiener Klassik zu erforschen.

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