Konzerthaus – Porträts – Joshua Bell
Joshua Bell

Joshua Bell © www.lukasbeck.com (Ausschnitt)

Joshua Bell

Mit reinem Virtuosentum gibt sich Joshua Bell nicht zufrieden. Der US-amerikanische Geigenstar erarbeitet sein Repertoire mit dem Wissen um historische Aufführungspraxis und versucht sich gern in neuen Rollen. Im Wiener Konzerthaus wird er nicht nur als ausgezeichneter Solist, sondern auch als äußerst musikalischer Comedian zu erleben sein.

Ausgangspunkt für Joshua Bells Weltkarriere ist seine stupende Technik und die sichere Kontrolle über den Geigenklang. Verantwortlich dafür war sein Lehrer Josef Gingold. Obwohl er aus Russland kam, stand Gingold – als Schüler des belgischen Geigers Eugène Ysaÿe – in der Tradition der französisch-belgischen Violinschule. «Ich lernte bei Gingold, wie man mit der Geschwindigkeit des Bogens den Klang der Geige verändern kann», erläutert Joshua Bell. «Das unterscheidet die französische von der russischen Violinschule. Und meine Stradivari ist einfach perfekt für diese Art zu spielen. Sie reagiert sehr auf die Geschwindigkeit des Bogens und man kann ihr Farben entlocken, die man von einer Guarneri nicht bekommt.»

Vier Konzerte umfasst die Porträtreihe mit Joshua Bell im Wiener Konzerthaus. Mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra unter Daniel Harding wird er Ernest Chaussons «Poème» und Maurice Ravels «Tzigane» interpretieren; Stücke, die seiner Farb- und Phrasierungskunst Raum geben werden. Für die weiteren Abende schlüpft der vielseitige Geiger in andere Rollen: Kurz vor Weihnachten zelebriert er gemeinsam mit Aleksey Igudesman und Hyung-ki Joo «A Little Silent Night Music». «Ich kenne die beiden schon lange. Wir haben oft Kammermusik in der legendären Wiener Broadway-Bar gespielt», schmunzelt Bell. «Aleksey und Hyung-ki können nicht nur irrsinnig komisch sein, sondern sind auch phantastische Musiker.»

Als Solist und Leitender vom ersten Pult aus ist Joshua Bell im Jänner zu erleben. Der künstlerische Leiter der Academy of St Martin in the Fields führt sein Ensemble mit der Geige in der Hand. «Die Mitglieder der Academy kennen mittlerweile meine Körpersprache. Auch kleinste Bewegungen setzen sie um», schwärmt er vom Londoner Ensemble. Neben der sechsten Symphonie, der klangmalerischen «Pastorale», wird Beethovens Violinkonzert zu hören sein. Ein heikles Stück, das Joshua Bell schon früh gelernt hat: «Damals war ich dreizehn Jahre alt. Ich habe es in neun Tagen einstudiert und Gingold gleich auswendig vorgespielt – wahrscheinlich total furchtbar», lacht er.

So sehr ihn die französische Violinschule geprägt hat, so wenig lässt sich Joshua Bell dadurch festlegen. Barockes und klassisches Repertoire spielt er ganz bewusst nicht mit romantischem Zugang. Durch die Zusammenarbeit mit Musikern wie Sir Roger Norrington und Sir John Eliot Gardiner habe sich sein Verständnis dieser Musik verändert: «Wenn ich jetzt Aufnahmen der Vorbilder meiner Jugend höre, wenn sie Barock und Klassik spielen, klingt mir das viel zu schwerfällig. Manche Bogenstriche sind einfach falsch.»

Fans von Hochseilakten mit der Geige werden beim Recital-Abend im März auf ihre Rechnung kommen. «Ich kann mit Sam Haywood virtuoses Repertoire auf Augenhöhe spielen», schwärmt Bell von seinem britischen Klavierpartner. Dabei wird auch Bells sagenumwobene Stradivari «Gibson ex-Huberman» wieder glänzen. Dem Stradivari-Fieber verfiel Joshua Bell schon früh: Die erste Stradivari, die er in Händen hielt, gehörte seinem Lehrer Gingold: «Er ließ mich darauf spielen und ich habe mich sofort in diesen süßen Sopranklang verliebt. So soll eine Violine klingen!»

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