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Von Havanna bis ins Alpenland: Mit dem Harold López-Nussa Trio, dem Jacky Terrasson Trio und dem Wolfgang Muthspiel Trio gastieren drei unterschiedlich geprägte Jazztrios
from STEFAN HENTZEin Trio ist ein Trio: Bass, Schlagzeug und – meistens – Klavier. Seltener Gitarre. Gelegentlich Saxophon oder Trompete oder Posaune. Alle Trios gleichen einander, jedes ist auf seine eigene Art Trio. Das Trio ist im Jazz seit Langem ein spezielles Format – das kleinste, in dem sich das komplette Frequenzband vom tiefen Brummen des Basses bis zu dem Sirren der Becken prägnant abbildet wie die verschiedenen Dimensionen von Musik: Melodie, Harmonie und Rhythmus. In ihm hat die Verfassung jedes Musikers maximale Auswirkung auf das Gelingen des gemeinsamen Ganzen, und die Kräfteverhältnisse zwischen den Musiker:innen lassen sich präzise ausbalancieren – im Falle des Gelingens zumindest.
Zunächst dominierten erfolgreiche Trios wie diejenigen von Benny Goodman, Nat King Cole oder Oscar Peterson, die entsprechend dem Starkult eher nach dem Modell eines Monopods, eines Stars mit zwei Stützbeinen, funktionierten. Das Trio um den Pianisten Bill Evans entwickelte in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre das ausbalancierte, trianguläre Triospiel des modernen Jazz. Im Zusammenspiel von Evans mit dem Bassisten Scott LaFaro und dem Schlagzeuger Paul Motian verschoben sich die Maßstäbe in Richtung kollektiver Gleichberechtigung und der Aushandlungsprozesse der Demokratie: Die Trioidee kam zu sich selbst. Plötzlich hatten auch Bass und Schlagzeug ihren Platz an der Rampe, spielten Melodien oder Gleichwertiges und lenkten das Geschehen, während Evans mit seinem Klavier in den Hintergrund trat, gerade noch die Folge der Harmonien oder auch nur perkussiv den Puls der Musik andeutete. Stete Beweglichkeit und wache Interaktion, konzentriertes Hören und Reagieren traten an die Stelle vordefinierter Hierarchien und voraus berechneter Formabläufe. Und je weiter diese radikale Vision des Trios alte Gewissheiten abräumt, schafft es Raum für die Spannung des Ungewissen. Man hört Jazz, weil er wie das Leben ist: Vorher weiß man nicht, wie er ausgeht.
Harold López-Nussa Trio
Die drei Jazztrios, die in diesem Winter im Wiener Konzerthaus zu Gast sind, repräsentieren eine breite Palette der Möglichkeiten, die dieses Format im Jazz der Gegenwart so überzeugend macht. In der Musik des Harold López-Nussa Trio sind deutlich die Spuren seiner Lebenswanderung zu spüren: Er ist in Havanna geboren, aufgewachsen und zum Konzertpianisten ausgebildet worden und hat mittlerweile in Frankreich und im Jazz eine neue Heimat gefunden.
Jacky Terrasson Trio
Auch die Musik des Trios von Jacky Terrasson trägt die Merkmale eines Lebens als Weltenwanderer in sich. Geboren in Berlin, aufgewachsen als Sohn einer Mutter aus den Vereinigten Staaten und eines französischen Vaters, war auch Terrasson schon mit allen Wassern der klassischen Klavierliteratur gewaschen, als er in seiner Jugend den Jazz als die Musik für sich entdeckte, die seine kulturelle Mehrsprachigkeit am besten auf den Nenner bringt.
Wolfgang Muthspiel Trio
In der Biographie des in der Steiermark geborenen Gitarristen Wolfgang Muthspiel ist Amerika nur eine der Ausbildung geschuldete, längere Episode. Nach 16 Jahren in Boston und New York, in denen er von einem vielversprechenden Gitarristen zu einem Weltstar seines Fachs avancierte, kehrte er ins Alpenland zurück. Willkommen in einer Welt, in der nichts gewiss ist und nichts unmöglich. Willkommen in der Welt der Jazztrios.




