Blickpunkt Debussy

Claus Debussy
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Images – Bilder. So heißen etliche Werke Debussys, und ein malerischer Zug ist vieler seiner Werke eigen. Als »Klangbilder« lassen sich seine Kompositionen beschreiben. Über verschiedene musikalische Zusammenhänge hinweg strebte Debussy immer nach Bildlichkeit: nach der treffenden, charakteristischen Farbe

von Benedikt Leßmann

Klangmaler
»Ich mag Bilder fast so sehr wie die Musik«, schrieb Debussy in einem Brief an Edgard Varèse. Den einzigen Vorzug der Musik gegenüber der Malerei sah er darin, wie er dem Pianisten Raoul Bardac bekannte, dass die Musik gewissermaßen noch flexibler im Umgang sei: Sie könne »die Variationen der Farbe und des Lichts unter ein und demselben Aspekt bündeln«. Malerei war also eine wichtige Referenz für Debussy, und seine Beziehungen zur Bildenden Kunst gehören zu den Schlüsseln zu seinem Schaffen – auch jenseits der Klischees vom musikalischen Impressionismus. Neben der Begeisterung für die Literatur der französischen Symbolisten oder Edgar Allan Poes war das Verständnis von Musik als »peinture« eine prägende ästhetische Idee für den Komponisten, den Stephen Walsh in seiner 2018 erschienenen Biographie sogar als »Painter in Sound« titulierte.

Images
So finden sich in Debussys Œuvre eine Vielzahl von Stücken, die schon im Titel auf das Bildkünstlerische Bezug nehmen. Neben den »Estampes« (Drucke, Grafiken) ist hier vor allem der Werkkomplex der »Images« zu nennen. 1903 schloss Debussy einen Vertrag mit seinem Verleger Durand über nicht weniger als zwölf Stücke für Klavier bzw. Orchester ab, von denen ein größerer Teil, nämlich die zwei gleichnamigen Klavierzyklen und auch die drei »Images pour orchestre« später realisiert werden sollten. Debussys Absicht war dabei durchaus »impressionistisch«, wie er Durand später erläuterte, auch wenn er den Begriff als solchen ablehnte: Er wolle mit seinen »Images« »Realitäten« schaffen, also gerade nicht jene verwaschen-diffusen Klänge hervorrufen, die man oft mit diesem Stilbegriff assoziiert. Die drei Orchester-»Images« malen tatsächlich mit großer Plastizität Bilder Englands, Spaniens und Frankreichs und greifen dafür auf Volksliedmaterial sowie auf effektvolle Instrumentationsideen zurück.

Farbige Kammermusik
Aber auch ein Werk wie das Streichquartett Debussys, das sich einer Gattung der absoluten Musik zuordnet, ist voller farbiger Effekte, selbst wenn kein Titel oder Programm unsere Phantasie in eine bestimmte Richtung lenkt. Es entstand 1893 in einer entscheidenden Phase der Biographie Debussys, der sich mit Werken wie »Prélude à l’après-midi d’un faune« nach einem Gedicht Stéphane Mallarmés zu etablieren begann und Maurice Maeterlincks Drama »Pelléas et Mélisande« entdeckte, welches er 1902 als vielbeachtete Oper auf die Bühne bringen sollte. Das Streichquartett trägt, für Debussy überraschend, durchaus akademische Züge, greift nämlich die mit César Franck assoziierte zyklische Form auf, bei der alle Sätze motivisch miteinander in Beziehung stehen. Zugleich ist es ein Werk der reichen Farben, das bei den Zeitgenoss:innen ganz unterschiedliche Assoziationen weckte, zur spanischen ebenso wie zur russischen Musik und zum ostasiatischen Gamelan.

Jeux
Im Konzertbetrieb ein wenig im Schatten anderer Orchesterwerke Debussys wie »La Mer« steht »Jeux«, das ursprünglich als Ballett für Sergei Djagilews berühmte Ballets Russes entstand. Die komplex konstruierte Partitur avancierte in den 1950er-Jahren zum Kultstück von Avantgardekomponisten, die nicht zuletzt die Einbeziehung der Klangfarbe in die Werkstruktur rühmten. In den Worten von Pierre Boulez ist die Orchestrierung hier nicht mehr nur Einkleidung der Substanz, sondern wird selbst Teil von ihr. Debussy war besonders am Instrumentationskolorit dieses Stückes gelegen, und er orientierte sich dafür unter anderem an Richard Wagner. Denn er wünschte sich nach eigener Aussage »jene orchestrale Farbe, die von hinten beleuchtet zu sein scheint und von der es so wunderbare Effekte in Parsifal gibt!« Die triviale Balletthandlung von einer amourösen Begegnung auf dem Tennisplatz regte den Komponisten gleichsam optisch an. In der für ihn typischen etwas rätselhaften Poesie beschrieb er das Szenario der »geheimnisvollen nächtlichen Landschaft« des Parks als »subtiles Nichts«, das alles enthält, »was nötig ist, um den Rhythmus in einer musikalischen Atmosphäre sich entfalten zu lassen«.

Vereinigung von Struktur und Farbe
Diese Worte verdeutlichen, dass bei Debussy häufig Bildvorstellungen die kompositorische Phantasie entzündeten, ohne dass er bei illustrativer Klangmalerei stehenbleibt. Eine Vereinigung von Struktur und Farbe zeigen auch die zwölf Etüden für Klavier, die zu Debussys letzten größeren Werken zählen. Die Aufgabe, als Übungsstücke konkrete technische Schwierigkeiten zu fokussieren, vereinen diese Etüden – wie bereits jene von Chopin, Liszt und anderen – mit genuin musikalischen Ideen. Abstrakten Bildern gleich, entwickeln sie aus Elementen des Klavierspiels wie der chromatischen Tonleiter oder der Tonwiederholung musikalische Vignetten, denen häufig eine gewisse Lakonie eigen ist. Auch hier wird natürlich der Farbe besondere Aufmerksamkeit geschenkt, etwa in der Etüde »Pour les sonorités opposées«, die einmal nicht Skalen, Intervalle oder Akkorde in den Blick nimmt, sondern »entgegengesetzte Klänge«, wie der Titel verrät. Mit anderen Worten: Farben.

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12/03/26
12/03/26
Do, 18.30 Uhr ∙ Schubert-Saal
Kammermusik

Simply Quartet

24374960,–
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12/03/26
12/03/26
Do, 19.30 Uhr ∙ Mozart-Saal
Klavier Solistisches
Klavierabend

Jean-Efflam Bavouzet

273645546267,–
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14/03/26
14/03/26
Sa, 19.30 Uhr ∙ Großer Saal
Klavier Orchester

Orchestre de la Suisse Romande / Buniatishvili / Nott

2536486072818895,–
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