John Dowland

John Dowland - 1563–1626
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Heute würde man es Branding oder Image nennen: Wer etwas über John Dowland liest und von Alter Musik versteht, denkt unmittelbar an »Lacrimae« oder »Tears«

von Alexandra Ziane

Als »Jo. Dolandi de Lacrimae« trug er sich 1597 in Nürnberg in das Freundebuch (Album amicorum) des Theologen Johannes Cellarius ein. »Dowland« deutete er dabei lautmalerisch um zum »dolandi«, dem Leidenden, der Tränen vergießt. Darüber zeichnete er den zu einem Signum gewordenen Beginn seines Lautenlieds »Flow my tears«, in dem die Noten nach kurzem Verharren um eine Quart herabperlen, als flössen nach kurzem Anschwellen Tränen aus einem Auge. Das Stück, das ursprünglich für Laute solo komponiert war, fehlte in keiner zeitgenössischen Lautensammlung. 1600 veröffentlichte Dowland es mit Text in seinem »Second Booke of Songs«, eine Version, die sich ebenfalls größter Beliebtheit erfreute und 2006 von Sting mit dem Lautenisten Edin Karamazov eingespielt wurde. Schließlich bildete die Komposition auch die erste von sieben Pavanen (Schreittänze) in seiner 1604 erschienenen Sammlung »Lacrimæ, or Seven Teares« für Gamben und Laute, wo »Alte Tränen« neben neuen, seufzenden traurigen, erzwungenen, solchen eines Liebenden und wahren Tränen erscheinen. Darunter befindet sich auch eine Pavane mit dem Titel »Semper Dowland semper dolens« (»Immer Dowland, immer leidend«): ein Stück voller Seufzerfiguren und Sekundvorhalten. 

Freilich fügte sich Dowland damit in eine Mode Englands um 1600, in der die »Mélancolie angloise« weit verbreitet war. 1586 hatte der Physiker Timothy Bright einen Traktat veröffentlicht, in dem er dieser Gemütsverfassung auf den Grund geht und Medizin, Psychologie und Theologie verbindet. Wichtigen Einfluss übte dieser vermutlich auch auf William Shakespeare aus, dessen zögerlicher und nachdenklicher Hamlet ein Paradebeispiel eines Melancholikers darstellt. Dem schwermütigen Grübeln, das auch ein Mittel sozialer Distinktion war und geistreichen Menschen gut anstand, verleiht Dowland in derselben Epoche einen Klang. 

Dowland hatte zeit seines Lebens alles daran gesetzt, an den englischen Königshof und insbesondere in den Dienst von Queen Elisabeth zu gelangen. Erst lange nach ihrem Tod im Alter von beinahe fünfzig Jahren wurde ihm dieser Wunsch erfüllt. 1563 geboren, war der Lautenvirtuose und Komponist zuvor in Diensten des englischen Gesandten Sir Henry Cobham in Paris sowie am Hof von Heinrich Julius Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel und beim Landgrafen Moritz von Hessen in Kassel tätig. Eine längere Anstellung wurde ihm von 1598 bis 1606 am dänischen Hof König Christians IV. zuteil, ehe er nach England zurückkehrte und für Theophilus Howard, Lord Walden, arbeitete. 1612 erfolgte die lange ersehnte Anstellung am königlichen Hof, wo er jedoch nur einer von mehreren Lautenisten war und keine weiteren Notenbücher mehr veröffentlichte. Über die Umstände seines Todes wissen wir ebenso wenig wie über die seiner Geburt. Am 20. Februar 1626, vor vierhundert Jahren, wurde er in der Londoner Pfarrgemeinde St. Anne, Blackfriars beigesetzt. Die Kirche fiel 1666 dem Großen Feuer von London zum Opfer, wurde vollständig zerstört und nicht wieder aufgebaut. Was bleibt, sind Dowlands berührende »Lacrimae«.

06/10/26
06/10/26
Di, 19.30 Uhr ∙ Mozart-Saal
Alte Musik & Originalklang Lied & Arien

Jupiter / Dunford

293949596873,–
Vorverkauf für Mitglieder ab 03/08/2026 für alle verfügbar ab 10/08/2026
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