Mitsuko Uchida

Mitsuko Uchida
Bild lädt

Sie kann auf ein erfülltes Künstlerinnenleben mit zahlreichen Glanzpunkten zurückblicken. Nun kehrt die Grande Dame des Klaviers mit einer musikalischen Hommage an jene Stadt zurück, in der ihre Karriere begann: Wien

von Miriam Weiss
Veröffentlicht: 23/10/26

Bereits in Japan war ihr herausragendes musikalisches Talent aufgefallen. Als ihr Vater, ein japanischer Diplomat, nach Wien versetzt wurde, zog die damals zwölfjährige Mitsuko Uchida mit ihrer Familie von Tokio in die Donaumetropole und studierte an der Wiener Musikakademie (heute mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) in der Klavierklasse von Richard Hauser.

Inzwischen lebt Uchida seit über fünfzig Jahren in London, ist britische Staatsbürgerin und wurde 2009 zur Dame Commander of the British Empire ernannt. Doch zu Wien hat sie immer noch eine innige Beziehung. Von hier aus startete sie ihre Karriere, die anfangs nicht blitzartig verlief, sondern sich langsam, aber kontinuierlich entwickelte. Wettbewerbserfolge wie 1969 der Gewinn des Wiener Beethoven-Wettbewerbs ließen die junge Pianistin reifen; große Projekte zu Beginn der 1980er-Jahre wie eine  Konzerttournee mit sämtlichen Mozart-Sonaten festigten ihren Ruf als charismatische Musikerin. Der heute vorherrschende Druck, sofort ein Star sein zu müssen, widerstrebt ihr.

Ihre Profession betreibt Uchida nach wie vor mit Leidenschaft, Hingabe und Demut: »Es dauerte Jahre, bis ich begriff, dass es nicht ausreicht, Klavier zu spielen – es ist eine Lebensaufgabe, zu verstehen, wie Musik wirklich funktioniert«, sagte sie im Interview mit dem britischen Musikkritiker Ivan Hewett. Mit ihrer über Jahre perfektionierten Anschlagskultur hält sie für jedes Werk eine einzigartige Klangwelt bereit. Gleichzeitig strahlt die Pianistin in ihren Konzerten eine Frische und Spontaneität aus, als hätte sie die Musik gerade erst für sich entdeckt.

»Bach, Beethoven, Schubert und Mozart sind die vier Säulen meiner Welt«, so Uchida über ihre persönlichen »Big Four«. Als »Lebensabschnitts-Wienerin« hegt sie auch eine große Leidenschaft für die Musik der Wiener Moderne mit ihren »Big Three« Berg, Schönberg und Webern. Werke aus diesen beiden Welten kombiniert sie in Konzerten gerne mit zeitgenössischer Musik, wie sie es auch für ihr Rezital im Wiener Konzerthaus plant.

Das melancholisch betörende Andante con Variazioni f-moll Hob. XVII/6, das Joseph Haydn als eines seiner letzten Klavierstücke 1793 in Wien komponierte, bildet den Auftakt ihres Programms. Arnold Schönbergs Sechs kleine Klavierstücke op. 19 setzen dazu mit ihrer aphoristischen Kürze einen reizenden Kontrast. Als Opernliebhaberin hörte Uchida damals in Wien vielleicht die von ihr verehrte Mirella Freni als Susanna. Ein Hauch Opernatmosphäre durchzieht auch das Rondo a-moll K 511. Hier scheint es, als sei Mozart noch ganz beseelt von dem Erfolg, den er kurz zuvor (Anfang des Jahres 1787) mit der Prager Aufführung von »Le nozze di Figaro« feiern konnte. Vielleicht hatte er bei dem Klavierrondo sogar Susannas Rosenarie im Sinn, denn hier wie dort wirkt der Siciliano-Rhythmus als zentrales Gestaltungselement.

»Márta’s Ligature« aus György Kurtágs Kosmos der »Zierlichkeiten« schlägt mit ihrer traumhaften Klangwelt eine hauchfeine Klangbrücke zum »wienerischsten« Komponis-ten des Abends, zu Franz Schubert. »Ich hatte Zugang zu Schuberts Musik, zu einer gewissen Einsamkeit, die für ihn charakteristisch ist. Seine Einsamkeit war etwas, das ich mit meiner eigenen Einsamkeit in Verbindung bringen konnte«, verriet Uchida dem amerikanischen Journalisten Ben Finane. Diesem Gefühl mag die Pianistin in Schuberts A-Dur-Sonate D 959 auf der Spur sein, dem ergreifenden Finalwerk ihres Rezitals mit dem spukhaften Andantino und  seinem berückend schönen Barkarolenthema.

»Die großartigste Musik hat etwas an sich, das die Menschen bewegt – ihre Herzen, ihren Verstand und ihre Seele. Etwas, das andere Dinge nicht vermögen«, sagte Uchida einmal. Diesen Zauber mit ihrem Publikum zu teilen, ist für sie eine Herzensangelegenheit.

08/12/26
08/12/26
Di, 19.30 Uhr ∙ Großer Saal
Klavier Solistisches
Klavierabend

Mitsuko Uchida

€ 294663789299,–
Bild lädt