Rundreise mit und zu Anna Mabo

Anna Mabo
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Sie war Lagerfeuer-Gitarristin, Sound-Slammerin und Molden-Schülerin. Sie hat den Puck gespielt, die »Nashörner« inszeniert und Sinead O’Connor gesungen. Mit ihren »Buben« kommt sie im Jänner wieder ins Konzerthaus. Und reist im April gleich weiter, in die nächste Galaxie

von MICHAELA FLECK-REGENFELDER

Im Frühling 2025 waren Sie noch am Münchner Volkstheater, im Sommer an der Wiener Staatsoper, im Herbst im Wiener Rabenhof. Im Winter kommen Sie zurück ins Wiener Konzerthaus. Das klingt fast nach einer klassischen Rundreise – wenn Sie dazwischen nicht noch in einem Winzerhof Halt gemacht hätten, und das ausgerechnet mit Texten von Ernst Jandl. Wie klang das? Wie passt das zusammen?

Das war ein Geschenk! Und das war ganz einfach! Die Texte waren schon so gut, da hat sich die Musik von selber geschrieben. Das war nicht so wie im Theater, wo man vor Shakespeare erst mal zurückschreckt. Es ist so leicht, sich selber anzuzweifeln. Aber ich konnte noch nie auf etwas so unbefangen stolz sein.

Gespielt haben Sie da beim Weltmusikfestival Glatt & Verkehrt in Krems, begleitet vom Cellisten Clemens Sainitzer. Das Cello begleitet Sie schon seit ihrer Kindheit, oder?

Ja, ich hab’ Cello gelernt, bis ich 18 war. Es war eine gute Art, den Nachmittag zu verbringen. Auch wenn man’s nicht gut macht, ist es wert, vieles zu lernen. Ich kann bis heute intonieren. Das ist wie mit den Sprachen. Die sind eines der wenigen Hobbys, von denen ich nicht leben kann!

Wie hat das denn überhaupt angefangen, mit der Musik? Und worum ging’s Ihnen? Ums Spielen? Und worum ging’s Ihren Eltern?

Ich hatte großes Glück, dass meine Eltern keine Künstler waren [Anm.: sondern New Yorks früherer Kulturforums-Leiter und Wiens ehemaliger Kulturstadtrat Peter Marboe und Verfassungsrechtlerin Irmgard Marboe]. Ich bin mit ihnen sehr wohl ins Theater und ins Konzert gegangen. Und meine Mutter spielt Geige im Mödlinger Symphonischen Orchester und ist ein Riesen-Opernfan. Wir waren jedenfalls keine Familie, wo Country im Radio lief. Wir gingen auch nie zu Rockkonzerten.

»Es hilft manchmal, die Welt zu verstehen, wenn man sie unverständlich macht.«
ANNA MABO

Und wann kam die Gitarre, mit der Sie heute auf der Bühne stehen?

Ich war Pfadfinderin, da hab’ ich angefangen, Gitarre zu spielen. Ich war die Lagerfeuergitarre. Seit damals kann ich auch »Verdammt, ich lieb’ dich« spielen. Es ging aber nicht darum, wer die besten Soli spielt, es ging darum, dass man die Leute berührt. Das war ein Zugang, der mir sehr gefällt. Hätte man mich damals gefragt, ob ich beruflich Lagerfeuergitarre spielen möchte, hätte ich gesagt: »Ja!« Und genau das mach’ ich auch heute [lacht] …

Haben Sie damals auch ans Theaterspielen gedacht? Oder war Ihnen das Lagerfeuer genug Publikum?

Mit 14 oder so hab’ ich auch Theater gespielt, in der Schule. Wir haben damals alles selber gemacht, das war Anarchie! Und wenn man älter wurde, führte man Regie. Das erste Stück war »Die Hochzeit« von Tschechow, dann kam der Puck im »Sommernachtstraum«. Da hab’ ich schon gedacht, ich werde Schauspielerin. Ich hatte es gern, wenn mir Leute zuhören. Und einen Weltverbesserungsanspruch hatte ich auch. Meine letzte Regiearbeit damals war »Weltuntergang« von Jura Soyfer …

Dann haben Sie ja auch Regie studiert, am Max Reinhardt Seminar, später noch Philosophie, in Gießen. Und dann sind Sie doch – auch – bei der Musik gelandet. Wie kam das?

Ich wusste gar nicht, dass man Regie studieren kann. Ich wollte nur sehen, wie das ist. Dann haben sie mich genommen. Aber dieser grundlegende Zweifel hat sich auch nicht gelöst. Beim Spielen wurde ich immer schlechter, ich war froh, dass ich das nicht mehr machen musste. Dann dachte ich mir, es reicht nicht, mich nur mit dem Theater auseinanderzusetzen. Ich wollte mich mit der Welt auseinandersetzen. Wann das mit der Musik angefangen hat, weiß ich nicht genau – weil die Musik immer schon da war. Ich war auch nie aufgeregt. Und die Gitarre hatte ich immer dabei. An meinem ersten Album habe ich schon in Mittelhessen geschrieben, während ich Philosophie studiert hab’, in einer viel zu kleinen WG … 2019 hab’ ich dann Ernst Molden getroffen, das war beim ersten Theaterfestival in Litschau [Anm.: »Hin & Weg«, gegründet von Zeno-Stanek]. Ich hab’ dort »Das wunderbare Zwischending« inszeniert, er hat das Musikprogramm kuratiert und einen Singer-Songwriter-Kurs gemacht. Da hab’ ich mich angemeldet, wir saßen am See, ich spielte ihm drei Lieder vor. Und er hat gesagt: »Machen wir doch ein Album!« Einen Monat später hab’ ich ihn angerufen und gesagt: »Ich hätt’s jetzt fertig.« Also haben wir mein erstes Album bei Walther Soyka aufgenommen, und Ernst Molden hat’s produziert.

Aber gespielt haben Sie ja nicht nur im Studio oder am See, sondern auch auf der Bühne. Sind dort die Worte wichtiger oder die Töne?

Der Kern sind schon die Gefühle, die Texte, die Worte … Ich hab’ immer alle Sound Slams gewonnen! Und ich brauch’ eine Resonanz! Aber es ist nicht mein Ziel, von allen verstanden zu werden. Vielleicht bin ich nicht die beste Musikerin, die ich kenne. In der Regieposition, beim Theater, muss man ganz viel kommunizieren. Da war allein Musik zu machen erleichternd. Ich spiel’ nach wie vor gern allein – auch wenn kaum wer eine Band so bewundert wie ich meine!

Um Worte geht es auch in Eugène Ionescos »Nashörnern«, die Sie letzten Frühling durchs Münchner Volkstheater trampeln ließen. Wie absurd war das?

Die laufen auch noch, die »Nashörner«! Das Lustige bei den »Nashörnern« ist, dass man sich vorstellt, dass sich Menschen in Nashörner verwandeln. Das ist doch das Absurdeste! Im Theater ist das ein ganz spannender, schmaler Grat. Es hilft manchmal, die Welt zu verstehen, wenn man sie unverständlich macht.

Gar nicht absurd, sondern fantastisch ist Ihr Ausflug ins Aquarium, in das Sie im November im Berio-Saal des Konzerthauses getaucht sind. Wie nass war das?

Das ist eher ein Konzert mit theatralem Anspruch. Der Tiefseetourist, um den es da geht, ist eigentlich Astronaut. Und weil ihm im Weltall so fad ist und es dort so leise ist, taucht er ab, zu den »fetzigen Flundern«.

Einen Monat davor haben Sie nicht bei den Fischen, sondern bei den Raben Premiere gefeiert, im Wiener Rabenhof, mit Ihrem jüngsten Theaterprojekt zu Ferdinand Raimund. Geht’s da auch um Menschenfeinde oder mehr um Feenwünsche?

Da geht’s ums Ganze. Und das ist so was wie ein Musical. Aber da es auch um Raimund geht [Anm.: die Raimundspiele in Gutenstein hat Anna Mabos Onkel Ernst Wolfram Marboe sieben Jahre lang geleitet], werden wir uns auch entsprechend verhalten [lacht]!

Im Oktober haben Sie auch Ihr viertes Album herausgebracht, über das Ernst Molden sagt, es sei »befüllt mit beschwipsend virtuoser Musik« und mit »immer noch dichteren Sprachkunstwerken«, also: »Anna Mabo in Ekstase«.

Das haben wir sogar im Porgy & Bess released …

Im Jänner kommen Sie mit Ihren »Buben« – mit Clemens Sainitzer am Cello und Alexander Yannilos an den Drums – mit denen Sie ja auch Ihre »Mittelschwere Ekstase« aufgenommen haben, in den Mozart-Saal. Aber Mozart gibt’s da nicht, oder doch? Und was dann?

Es gibt auch Songs aus dem neuen Album. Und es soll alles mit Wasser zu tun haben. Das Ensemble inn.wien ist auch dabei. Wir haben das im Juli 2024 schon bei den wellenklængen in Lunz am See gespielt. Für uns war’s cool, Jazz und Pop, woher -Clemens und Alex kommen, mit Klassik zu mischen.

Zwei Monate später, im März, kommen Sie wieder in den Mozart-Saal. Diesmal für ein Stehkonzert – und mit Gästen.

Da kommen Lukas Klein von Buntspecht und Bassistin Beate Wiesinger. Auch da fand ich es interessant, eine Instrumentalistin mit eigenen Projekten mit einem Musiker, den ich aus verschiedenen Stufen der Bewunderung kenne, zusammenzubringen. Für dieses Konzert wollen wir gemeinsam etwas schreiben.

Im April heben Sie überhaupt ab – »Per Anhalter durch die Galaxis«. Wen nehmen Sie da mit, ins All? Und wie passt Douglas Adams in den Mozart-Saal?

Ich hab’ gerade erst den »Hitchhiker’s Guide to the Galaxy« gelesen – ich wusste, ich bin late to the party [lacht]. Aber es ist so lustig, so ein dicht gesponnenes Netz – man weiß nie, wo man hinkommt. Es ist ein herrlicher Zugang zur Realität. Wir machen eine Strichfassung, die drei Schauspielerinnen in drei Teilen lesen werden. Dazwischen wird meine Mutter, die ja auch Weltraumrechtlerin ist, einen Vortrag halten, zum Beispiel darüber, ob man Planeten sprengen darf, wenn man eine Umfahrung im Weltall baut [lacht]. Und dann haben wir noch Franz -Viehböck, der uns aus seiner Zeit im All erzählt. Die Musik kommt wieder von den Buben und mir – das wird mehr Improvisation. Und vielleicht werde ich noch zu den Gedichten der Vogonen Lieder schreiben. Aber das steht in den Sternen!

Und was kommt als Nächstes? Was steht noch in den Sternen?

Im Jänner bin ich auch im Volkstheater und dann in Linz. Es läuft gerade gut! Ich freu’ mich auch, etwas Eigenes zu probieren, von dem man nicht weiß, ob’s was wird. Die Kunst, die mich interessiert, besteht aus gut verbrachter Lebenszeit. Und ich werde ja dreißig nächstes Jahr. Ich würde gern eine lange Wanderung machen, über die Pyrenäen, ich will schauen, ob es möglich ist, sie zu überqueren.

Konzerttipps

06/03/26
06/03/26
Fr, 19.30 Uhr ∙ Mozart-Saal
Global & lokal Pop, Alternative & Electronics
Stehkonzert

Anna Mabo & die Buben & Gäste

32374249,–
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20/04/26
20/04/26
Mo, 18.30 Uhr ∙ Mozart-Saal
Literatur Pop, Alternative & Electronics

Anna Mabo / Marie-Luise Stockinger / Bibiana Beglau / Valerie Pachner

Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis

293847576670,–
Restkarten
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15/11/2025
15/11/25
Sa, 11.00 Uhr ∙ Berio-Saal
Junges Publikum

Piccolo: Annas Aquarium und die fetzigen Flundern

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