Branford Marsalis Quartet feat. Dianne Reeves

Dianne Reeves & Branford Marsalis
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Zwei gewichtige Figuren des Jazz der Gegenwart verbeugen sich vor John ­Coltrane – und lassen dessen Album mit Johnny ­Hartman wieder aufleben

from Ralf Dombrowski
Publication date: 30/09/26

Ein Tag im März 1963 bei Rudy van Gelder in Englewood Cliffs. Es war das Lieblingsstudio der New Yorker Jazzwelt, die Adresse zahlreicher 
berühmter Aufnahmen. Und auch diesmal sollte etwas Besonderes passieren. John Coltrane erschien, mit ihm sein klassisches Quartett und Johnny Hartman, ein Sänger und Gast aus Chicago. Die Session war eine Idee des Produzenten Bob Thiele. Seit zwei Jahren arbeitete er für das noch junge Label Impulse! und hatte ein gutes Händchen für Jazz am Puls der Zeit. Zu seinen Künstlern gehörte auch John Coltrane, dessen Aufnahmen er mit Rat und Tat betreute. Und so meinte Bob ­Thiele, ob der Saxophonist nach einigen doch sehr modernen Alben seinen Fans auch einmal ein ruhiges Programm mit Gesang bieten wolle. Mehr Vorgaben gab es nicht, Coltrane sagte zu und lud seinen alten Bekannten Johnny Hartman ein, der sich zwar schon bei Dizzy 
Gillespie oder Earl Hines bewährt hatte, aber sonst eher im semiprofessionellen Segment unterwegs war. 

Hartmans Stärken waren die Musikalität des Gesangs, die Kraft der Stimme und das warme Timbre seines Baritons. Genau das suchte Coltrane, und so entstanden in mancher Hinsicht ungewöhnliche Aufnahmen. Denn das Repertoire bestand aus Standards, die Abläufe blieben traditionell – Intro, gesungene Form, Solo, noch einmal Gesang. Hartmann konzentrierte sich auf die Stücke, verzichtete auf Improvisationen, Scat oder Spielereien. Die Band begleitete einfühlsam und dezent, sogar der sonst gerne üppig solierende Pianist McCoy Tyner hielt sich zurück. Die Stimmung im Studio war wohlwollend, wertschätzend und sehr konzentriert. Nur einmal mussten 
die Bänder neu gestartet werden, weil Hartman einem Solo so intensiv zugehört hatte, dass er seinen Einsatz verpasste. Am Ende genügten ein paar Stunden in ­Englewood Cliffs und eine der schönsten Gesangsplatten 
des modernen Jazz war im Kasten.

Das Album »John Coltrane and Johnny Hartman« begeistert bis heute durch zeitlose Musikalität. Als sich Branford Marsalis zum 100. Geburtstag von John Coltrane ein Hommage-Projekt ausdachte, wählte er nicht »Giant Steps« oder »A Love Supreme«, sondern dieses feine und akustisch umarmende Dokument als Bezugspunkt. Denn es war schon bei seiner Entstehung ein Verweis darauf, dass auch der große Erneuerer des modernen Jazz die Wurzeln der Musik und das Great American Songbook zu schätzen wusste. Es ermöglichte Marsalis außerdem, selbst einen Gast in die Band zu laden, um an die Mischung aus Tradition und Moderne anzuknüpfen. So stößt mit Dianne Reeves eine Grande Dame des amerikanischen Jazzgesangs zum Team. Als souveräne Scat-Virtuosin und Statthalterin von Soul und Swing verbindet sie ihre eigene starke 
Musikpersönlichkeit mit dem Balladen-Kosmos von Johnny Hartman.

Es ist ein reizvoller und herausfordernder Kontrast. Denn Dianne ­Reeves kann auf mehr als sechs zusätzliche Jahrzehnte Jazz zurückgreifen, aber zugleich die Einfachheit, die Klarheit und den unmittelbaren Spaß beim Singen vermitteln. Der Tag damals im März 1963 in Rudy van Gelders Studio führte zu einer Sternstunde des modernen Jazz. Die Kombination von Dianne Reeves mit dem Branford Marsalis Quartet ist nun eine Wiederaufnahme des Außergewöhnlichen aus der Perspektive der Gegenwart. Denn mehr Erfahrung und Professionalität, mehr Spielfreude und Souveränität als mit dieser Fusion lässt sich für eine Verbeugung vor John Coltrane und Johnny ­Hartman kaum auf der Bühne versammeln.

09/11/26
09/11/26
Mon, 7.30 PM ∙ Großer Saal
Jazz

Branford Marsalis & Dianne Reeves celebrate John Coltrane

€ 31546988105115,–
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