Das Klavier in der Kammermusik

Daniil Trtifonov
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Zur Zeit Joseph Haydns machte das Klavier als Paradeinstrument blaublütiger Damen und wohlhabender Bürgersfrauen Furore. Weil sich die öffentliche Konzertbühne für sie (noch) nicht ziemte, spielten die Pianistinnen zu Hause vor einem erlesenen Zuhörer:innenkreis. Ganz nebenbei etablierten sich dadurch neue Gattungen

from Miriam Weiss

Szeps-Znaider · Trifonov
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts schöpfte das Instrument der »höheren Töchter« aus dem vollen Klangfarbenregister und spannte einen Bogen von intimer Zartheit zu orchestraler Pracht. Genau diese Facetten haben auch Daniil Trifonov und Nikolaj Szeps-Znaider im Sinn, deren Programm mit Duowerken für Violine und Klavier wie maßgeschneidert für sie erscheint. Martha Argerich schwärmte einst über Trifonov, dass er sowohl Zärtlichkeit als auch das Dämonische habe. Als ebenso wandlungsfähig gilt der Geiger Szeps-Znaider, der »spielend« ans Dirigentenpult wechselt.

Während Robert Schumanns zweite d-moll-Violinsonate op. 121 emotionale Kontraste durchwandert, zelebrieren Violine und Klavier in Clara Schumanns Romanzen op. 22 einen Dialog der feinen Nuancen. Wie unter einem Brennglas fassen Anton Weberns Vier Stücke für Violine und Klavier op. 7 ein Füllhorn an Spielarten und Stimmungen zu klingenden Aphorismen zusammen. Einen denkbar eindrucksvollen Kontrast setzt schließlich die in jeglicher Hinsicht opulente Violinsonate op. 47 (»Kreutzer-Sonate«), die Ludwig van Beethoven nach eigenem Bekunden im »stile molto concertante« komponierte.

Frang · Hornung · Kozhukhin
Vilde Frang, die nicht nur eine gefeierte Konzertsolistin, sondern auch eine leidenschaftliche Kammermusikerin ist, lotet mit Maximilian Hornung und Denis Kozhukhin die faszinierenden Klanglandschaften der drei Klaviertrios von Robert Schumann aus. Über das Klavierquintett op. 44, das Klavierquartett op. 47 und schließlich die Phantasiestücke für Klaviertrio op. 88, die alle im sogenannten »Kammermusikjahr« 1842 komponiert wurden, näherte sich Schumann ganz systematisch der Gattung Klaviertrio: 1847 überreichte er Clara zu ihrem 28. Geburtstag die Partitur des ersten Klaviertrios d-moll op. 63. »So jugendfrisch und kräftig« sei es, bemerkte sie begeistert. Auch das lichtdurchflutete zweite Klaviertrio F-Dur op. 80 »erwärmte« sie »in tiefster Seele«, wie Clara in ihr Tagebuch notierte. Nicht weniger euphorisch schrieb sie über das dritte Klaviertrio g-moll op. 110: Es sei ein Werk, »das einen bis in die wildesten Tiefen mit fortreißt«.

Chupin · Jacobsen · Yamagami · Melnikov
Zur beliebtesten Kammermusikbesetzung des 19. Jahrhunderts avancierte das Klavierquartett, das aus dem Klaviertrio durch Hinzufügen einer Bratsche entstand. Zwar galt diese Formation zu Mozarts Zeiten noch als ungewöhnlich, doch Johannes Brahms verhalf der Gattung mit seinen drei Klavierquartetten zu neuer Aufmerksamkeit. Das letzte Konzert der Reihe stellt ausgewählte Quartett-Einzelsätze und ein hierzulande selten gehörtes Klavierquartett des englischen Komponisten Arnold Bax (1883–1953) vor.

Alexander Melnikov ist dafür bekannt, seinen Werkinterpretationen ein kleines Stückchen mehr historische »Wahrheit« abzulauschen – eine Mission, die er an diesem Konzertabend gemeinsam mit dem Geiger Afanasy Chupin, dem ehemaligen Bratscher des Artemis Quartetts Volker Jacobsen und der Cellistin Kaori Yamagami unternimmt. Ausgehend von Mozart, der noch bevorzugt in getrennten Klanggruppen dachte, werden Stimmbehandlung und Klangregie bei Robert Schumann, Richard Strauss und in Gustav Mahlers betörendem kammermusikalischen Solitär hörbar vielfältiger und individueller. Bax schließlich verbindet in seinem 1922 komponierten Klavierquartett perkussive Härte, raue Dissonanzen und schroffe Akkordskulpturen mit impressionistisch schwebenden Klängen – eine Entdeckung!

05/05/26
05/05/26
Tue, 7.30 PM ∙ Mozart-Saal
Kammermusik Klavier

Chupin / Jacobsen / Yamagami / Melnikov

273646556267,–
Advance sales available for everyone from 08/04/2026
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13/05/26
13/05/26
Wed, 7.30 PM ∙ Großer Saal
Kammermusik Klavier

Nikolai Szeps-Znaider / Daniil Trifonov

294156708295103111,–
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28/05/26
28/05/26
Thu, 7.30 PM ∙ Mozart-Saal
Kammermusik Klavier

Frang / Hornung / Kozhukhin

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