Haydns »Schöpfung«

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»Und es ward Licht.« Zu diesen Worten erstrahlt in Haydns »Schöpfung« nach vielen Takten des Chaos klarstes C-Dur. Die Sonne hat die Finsternis besiegt, der Schöpfungsakt beginnt

von Alexandra Ziane

Bei der Uraufführung am 29. April 1798 im Stadtpalais Schwarzenberg am Mehlmarkt, dem heutigen Neuen Markt, soll das Publikum so beeindruckt gewesen sein, dass das Orchester für einige Minuten nicht weiterspielen konnte. Auch der sonst meist spottende sogenannte Eipeldauer, der der ersten öffentlichen Aufführung im Burgtheater beiwohnte, zeigt sich vom Werk begeistert: »Ich hätt’s mein Leben nicht glaubt, daß der menschliche Blasbalg und d’Schafdarm, und’s Kalbfell solche Wunder machen könnten. Da hat d’ bloß Musik den Donner und den Blitz ausdruckt, und da hat der Herr Vetter den Regnguß und s’Wasser rauschen ghört, und da haben d’Vögel wirklich gsungen, und der Löw hat brüllt, und da hat man sogar hören können, wie d’Würmer auf der Erden fortkriechen.« Neben kunstvollen Arien und hymnischen Chören zeichnen insbesondere die beschriebenen Tonmalereien Haydns Oratorium aus. 

Die Anregung zur Komposition erhielt Haydn vermutlich auf seinen vorangehenden Londonreisen. Glaubt man seinen frühesten Biographen, so besuchte er dort 1791 das viertägige, fulminante Handel Commemoration Festival in Westminster Abbey. Zwar gab es auch in Wien bereits Aufführungen von Händels Oratorien bei der Tonkünstler-Societät und im Umkreis Gottfried van Swietens, doch dürfte für Haydn der überwältigende Händel-Kult in England besonders beeindruckend gewesen sein. Zeitgenössischen Angaben zufolge waren an die tausend Mitwirkende an den Aufführungen beteiligt. 

Tatsächlich beginnt Haydns Karriere als Oratorienkomponist erst nach seinen Londonreisen. Die Gattung der Symphonie hingegen gelangte für ihn mit den Londoner Symphonien zum abschließenden Höhepunkt. Diese waren für die Abonnementkonzerte des Konzertunternehmers Johann Peter Salomon entstanden, der den Komponisten vom Hof der Esterházy abgeworben und als Attraktion an die Stadt an der Themse geholt hatte. Dort wartete Haydn immer wieder mit musikalischen Überraschungen auf, so etwa mit einem einleitenden Paukenwirbel in seiner Symphonie Nr. 103 Es-Dur. 

Das englische Publikum liebte Haydns Humor und feierte ihn als den Shakespeare der Musik. Trotzdem entfloh er am 15. August 1795 dem englischen Nebel, über den er sich in Briefen beschwert hatte, und trat die Rückreise nach Wien an. Im Gepäck führte er ein englisches Libretto, die Grundlage für die »Schöpfung«, deren Komposition er im Jahr darauf begann.

10/10/26
10/10/26
Sa, 19.30 Uhr ∙ Großer Saal
Alte Musik & Originalklang Chor, Oratorium & Oper

Barucco / Wiener Singakademie / Ferlesch

Haydn: Die Schöpfung

294152617378,–
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