Konzerthaus – Porträts – Teodor Currentzis
Teodor Currentzis

Teodor Currentzis © Anton Zavjyalov (Ausschnitt)

Teodor Currentzis

Er ist ein extravaganter Feuerkopf und detailversessener Fanatiker, strahlt dabei aber auch eine spezielle Eleganz aus: Teodor Currentzis zählt zu den eigenwilligsten und zugleich aufregendsten Dirigenten der jüngeren Generation.

«Rock den Rameau!» hieß es über seine mitreißende Aufnahme mit Musik des französischen Barockmeisters. Seine gefeierten Einspielungen von Mozarts «Le nozze di Figaro» und «Così fan tutte» stehen noch bis in die letzten originellen Auszierungswendungen des Continuo unter geradezu explosiver Spannung, jüngst erfüllte er auf CD Strawinskys «Le sacre du printemps» mit zugleich chirurgischer Präzision und urtümlichem Swing: Kein Zweifel, Teodor Currentzis ist ein Pultstar des 21. Jahrhunderts, ein Künstler, der sich nicht nur durch Kleidung und Frisur vom Herkömmlichen abhebt, sondern vor allem mit außergewöhnlichen Interpretationen. Und bei diesen liegt ihm nichts ferner als faule Kompromisse.

Ausgebildet zunächst in seiner Heimatstadt Athen, dann in St. Petersburg, hat sich der mittlerweile 44-Jährige nach erfolgreichen Jahren als Chef des größten sibirischen Opernhauses in Nowosibirsk, dann ab 2011 im Uralvorland in Perm, Europas östlichster Millionenstadt, ungefähr eine Mischung aus dem erarbeitet, was Bayreuth für Wagner und Salzburg für Karajan war: Griff nach den Sternen, mythische Kommune, Kaderschmiede, Probenlabor, interpretatorische Erfüllung nach nächtelangen Proben – und noch mehr und alles zugleich. Im Westen machte er sich freilich lange Zeit rar, bis er mit seinen Aufnahmen, in denen nicht zuletzt sein Elite-Originalklangensemble MusicAeterna glänzt, bei Publikum und Kritik lustvolle Gänsehaut en gros verursachte.

Dass dieser mutige Dirigent des Maximalen aber keineswegs ein bloßes Plattenstudio-Genie ist, sondern auch live Begeisterung und Verblüffung erregen kann, hat er im Wiener Konzerthaus schon bewiesen: «Da glühte es, da brodelte es», schrieb etwa der «Standard» über sein Debüt mit Prokofjews Fünfter. Und: Teodor Currentzis verfügt über die in der Musik so rar gewordene Kraft zum Polarisieren; zuletzt etwa im Verein mit der gleichfalls außergewöhnlichen Geigerin Patricia Kopatchinskaja und MusicAeterna bei Beethovens Violinkonzert, das mit Mut im Notentext und Übermut in den unter Ensemblebeteiligung absolvierten Kadenzen so ganz anders verlief als gewohnt – und jedenfalls alles andere als «brav».

Kopatchinskaja ist als Solistin des Tschaikowsky-Violinkonzerts ebenso mit dabei wie der Pianist Alexander Melnikov, wenn Teodor Currentzis sich in der Saison 2016/17 am Pult von MusicAeterna, der Camerata Salzburg und den Wiener Symphonikern präsentiert. Das Repertoire ist ungewöhnlich umfassend, es reicht von Rameau über Pergolesi, Haydn und Beethoven sowie Mendelssohn Bartholdy und Wagner bis hin zu Schostakowitschs Symphonie Nr. 7, dem blechgepanzert-gewaltigen Ungetüm der «Leningrader», die die Schrecken des modernen, maschinenbasierten Weltkriegs und das Aufeinanderprallen der Diktaturen schildert.

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