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Dino Banjara & Gypsy Banjaraz – Entschuldigung, war das ein Shruti?

von Wiener Konzerthaus

Von Georg Tkalec

Alte Musik – da denkt man normalerweise an etwas angestaubte Harmonien, Zahlenfetisch, leicht verstimmte Instrumente und ebenso verstimmte Menschen. Dass es aber auch ganz anders sein kann, davon konnte man sich am 26. Jänner 2013 im Mozart-Saal bei Dino Banjara & Gypsy Banjaraz wundersamer Nomadendisko überzeugen, die historische Volksmusik aus der Thar Wüste Rajasthans zum Besten gaben. Wenn Ihnen dazu jetzt nichts einfallen sollte, dann sind Sie nicht alleine: Auch für Ihren bescheidenen Berichterstatter war es ein überaus lehrreicher Abend, der beim lustigen Ratespiel «Instrumente Zuordnen für Fortgeschrittene»  noch lange nicht seinen unterhaltsamen Höhepunkt erreicht hatte. Im Folgenden habe ich meine wichtigsten Erkenntnisse aus zwei Stunden Jaipur Beats zusammengefasst – mögen sie den geneigten Leser für die nächste Begegnung mit dem Unbekannten bestmöglich wappnen.

Am Anfang stand eine Lektion in westlicher Formenlehre, oder besser gesagt die Lektion, wie wenig man als westlicher Formgelehrter mit seinem Wissen anfangen kann, wenn sich doch noch eine Kultur erdreisten sollte, unseren hochheiligen Strukturstandards Widerstand zu leisten. Verstärkt wurde diese Schwierigkeit noch durch die Saalakustik, die keinen Hehl daraus machte, dass eine Dholak (Trommel) nun mal viel lauter ist als eine Sarangi (Geige). Dementsprechend zerfielen die meisten der dargebotenen Stücke in eine kurze und subtile Introduktion mit Gesang, Harmonium und Sarangi, und einen dröhnenden Hauptteil, in dessen dichtes Netz aus Trommeln (bis hin zur Maultrommel) und Khartaal (Kastagnetten) einige leise Fetzen aus Suresh Naths kraftvollem Organ verwoben waren. Groovig? Ja. Aber durch den Perkussionsnebel auch etwas eintönig und nicht eben leicht zu verfolgen. Dem Sarangispieler aber dürfte es ganz recht so gewesen sein, denn nicht selten hatte es den Anschein, als ob er hinter den ominösen Mikrotönen der indischen Musik seine zahlreichen schiefen Noten zu verstecken suchte. Andererseits, wer weiß wie man in Rajasthan auf «unseren» Schönberg reagiert?

Als dann nach einigen Stücken die bezaubernde Rakhi Poonam das erste Mal aufbauchtanzte und damit der Musik jenes Quäntchen Sinn gab, das mir bis dahin verschlossen geblieben, da wurde auch das korrekt in seinen Holzsitzen aufgereihte Publikum plötzlich zu Darstellern, und gab eine erstklassige Darbietung der europäischen Steifheitspantomime. Um die Brisanz, zu der es dieses fruchtbare Aufeinandertreffen zweier so verschiedener Kulturen zumindest in meinem Kopf mittlerweile gebracht hatte, wieder etwas zu mildern, zögerte Herrn Banjaras Truppe nicht, sich mit einigen zirkusgemäßen Kunststücken wieder die alleinige Unterhalterrobe überzustülpen: So setzte sich Dholakspieler Vija Rana kurzerhand vier Gläser und einen mit Wasser prall gefüllten Tontopf auf den Kopf und tanzte mit dieser gewagten Konstruktion auf einem Nagelbrett. Freilich ein Indiz dafür, dass man in der nordwestindischen Wüste weniger YouTube schaut als hierzulande. Betrachtet man dann aber das Konzert im Ganzen, so wird schnell klar: solange es das Wiener Konzerthaus gibt, kann man auch hier auf YouTube verzichten.

Hinweis der Redaktion: Die veröffentlichten Beiträge der Jungen Blogger geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion des Konzerthaus/magazin wieder.

27.01.2013 um 19:17 | Publiziert in: Allgemein, Klassik, World, Junge Blogger | 0 Kommentar(e)

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