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Dorothee Hartinger, © Stephan van der Deken (Ausschnitt)

Schonungslose (Selbst-)Abrechnung: Jelineks «Winterreise»

von Wiener Konzerthaus

In direkter Nachbarschaft zum Wiener Konzerthaus steht das Wiener Akademietheater, Spielstätte des Burgtheaters und Bühne der österreichischen Erstaufführung von Elfriede Jelinek «Winterreise». Dorothee Hartinger ist Teil des wunderbaren Ensembles, das sich mit dem Regisseur Stefan Bachmann auf die dunkle «Reise im Stillstand», wie Jelinek es selbst formulierte, machte. Die schroffe, abweisende Bühne tauscht Hartinger nun gegen den lichtdurchfluteten Schubert-Saal wenn sie Ausschnitte des prämierten Theaterstücks als Abschluss des Themenschwerpunkts Exil der Reihe Musik und Dichtung liest. An ihrer Seite ist dabei der Pianist Christoph Berner. Mit Werken von Schubert über Liszt bis zu Ernst Kreneks «Echoes from Austria» und Ruth Schönthals «Paradise» lässt er weiterklingen, was Jelineks radikale persönliche Bilanz dominiert: das unüberwindbare sich Fremdfühlen in der Gegenwart, die Erfahrung des inneren (Schubert) oder geografischen (Krenek, Schönthal) Exils.

Aus dem Wahnsinn der Gegenwart mit ihren Bankenskandalen, Entführungsopfern und dem Auswuchern sozialer Netzwerke im virtuellen Raum heraus sucht Jelinek den Weg zur eigenen Biographie: die komplizierte Beziehung zur Mutter, die Einweisung des Vaters in die Psychiatrie, bis hin zu einer ebenso schonungslosen wie ironischen Selbstabrechnung Jelineks mit ihrer Rolle als Autorin, die «das immer gleiche Lied leiert». Grundton und Grundthematiken von Schubert/Müller wie die Sehnsucht nach Vergangenem, das Leiden unter Vergänglichkeit, der andauernde Schmerz der Erinnerung, das Heimweh des Getriebenen überführt die Meisterin der scharfzüngigen Polyphonie dabei unmerklich in aktuelle Ereignisse.

Aus dem Programmheft: «In ihrem Theatertext ‚Winterreise‘ versucht Jelinek den ‚eigenen Stillstand in Worten des Wanderns zu fassen‘. (…) Äquivalent dem Wanderer in Müllers ‚Winterreise‘ schreibt sie nicht, ‚um irgendwo hinzukommen‘, sie schreibt, ‚um fortzukommen‘, von sich selbst, dem Selbst, in dem sie gefangen ist. Doch sie scheitert. Dem existenziellen Fremdsein lässt sich nicht entkommen.»

16.06.2015 um 12:03 | Publiziert in: Literatur | 0 Kommentar(e)

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