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Das Pianoforte und sein Virtuose

von Wiener Konzerthaus

Von Cornelia Demmer

Wenn, wie am 29. Mai 2013, ein Klavier-Recital auf dem Programm steht und wieder einmal eines der vielen blutjungen Nachwuchstalente die Bühne betritt, wird es spannend. Wenn es sich dann auch noch um eine eng und kurz bekleidete Chinesin handelt, spürt man die Vorurteile richtiggehend durch den Saal vibireren. Aber Yuja Wang belehrte eines besseren!



Die in China, Kanada und den USA ausgebildete Pianistin gestaltete ein interessantes und sehr anspruchsvolles Programm, wobei mystische und düstere Stimmungen vorherrschten. Schon mit «Gargoyles» von Lowell Liebermann eröffnete Wang das Konzert mit der Ankündigung durchaus nicht nur bei den ewig-gleichen Großkalibern der heutigen Klaviermusikrezeption hängen zu bleiben. Auch mit der daran anschließenden Interpretation von Sergej Rachmaninoffs Sonate Nr. 2 zeigte Wang, dass sie nachdenklich, vielschichtig und subtil spielen kann. 

Aber lassen Sie mich an dieser Stelle ein paar Gedanken zur Kunst des Klavierspielens einflechten. Nachdem wir uns in einer Zeit befinden, in der das virtuose Beherrschen des Instruments nicht mehr etwas Angestrebtes und Staunen Hervorbringendes ist, sondern schlicht und ergreifend Voraussetzung ist, stellt sich trotzdem die Frage nach dem Virtuosentum. Denn dieses hat gerade bei der Klaviermusik lange Tradition und ist auch so etwas wie ein musikgeschichtliches Politikum. Nur allzu oft wurde es als Argument benutzt, um einem Komponisten und Interpreten die Aufnahme in den Kanon der «ernsten Musik» zu verwehren. Zurück zu heutigen Bühnen: Nachdem alle immer schneller, besser und perfekter spielen, müssen in einem Klavier-Recital in erster Linie eben diese Fähigkeiten zur Schau gestellt werden? Oder muss es sich auf der anderen Seite auch immer um eine radikal neue Interpretation handeln, die alles Bisherige in den Schatten stellt? Geht das überhaupt? Oder ist es nicht selbst bei einem solistisch bestrittenen Konzert ein zu würdigendes Bestreben ausdrucksstark und niveauvoll Musik zu spielen, nur um der Freude der live-performten Kunst willen?

 

Yuja Wang bewies im zweiten Teil und mit neuer Garderobe eben dies. Mit den Sonaten Nr. 2 und 6 von Alexander Skrjabin zeigte sie, dass sie auch interpretatorisch diffizilen Werken absolut gewachsen ist und diese eindrucksvoll und überzeugend präsentieren kann. Und mitten in die Seele des Wiener Publikums traf sie dann mit «La Valse. Mouvement de Valse viennoise» von Maurice Ravel. Charmant folgte Wang den immer wieder auftretenden Walzeranklängen und hinterließ durch ihre gekonnten Verzögerungen auf dem zweiten und dritten Schlag beglücktes Lächeln bei den Zuhörern.

Überwältigte Freude stand hingegen der jungen Chinesin ins Gesicht geschrieben, als sich das nicht so leicht zu überzeugende Publikum noch drei Zugaben erklatschte. Und mit der Liszt-Bearbeitung von Schuberts «Gretchen am Spinnrade» setzte Yuja Wang ein ganz deutliches Zeichen an den Schluss des Abends: Mit einer angenehmen Zurücknahme ihres eigenen Egos und durchdachten, subtilen Interpretationen ist sie definitiv eine der wenigen jungen Pianistinnen, die es sich zu merken lohnt.

Hinweis der Redaktion: Die veröffentlichten Beiträge der Jungen Blogger geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion des Konzerthaus/magazin wieder.

 


04.06.2013 um 18:22 | Publiziert in: Allgemein, Klassik, Junge Blogger | 0 Kommentar(e)

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