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Christoph Ransmayr: «Atlas eines ängstlichen Mannes»

von Wiener Konzerthaus

Im «Originalton» zu erleben ist der literarische Seelenerkunder Christoph Ransmayr, wenn er Episoden aus seinem «Atlas eines ängstlichen Mannes» liest. Es sind Augenblickshelden, auf die Ransmayr bei dieser virtuos-verführerischen Reise um die Welt stößt. Jeder Schauplatz setzt eine neue Geschichte in Gang: eine spanische Stierkampfarena, die isländische Lavawüste, ein Gästehaus in Jaipur, eine leere Straße in Valparaíso oder der Korridor einer psychiatrischen Anstalt in Wien. Wie durch ein Kaleidoskop und mit großem Formbewusstsein blickt Ransmayr auf das Weltchaos; phantastische Metamorphosen und krasse Brechungen sind ihm dabei geläufige Stilmittel. Ransmayrs überbordende Erzählhaltung und seine wiederkehrenden Muster entfalten eine liedhafte Weite und wunderbare Losgelöstheit. Im Interview mit Petra Gropp vom Fischer Verlag zu dem 2012 erschienenen Buch erklärt Ransmayr unter anderem, wie er zu der literarischen Form des «Atlas» gefunden hat und wie aus einer enormen Materialsammlung eine Erzählung entsteht. Auf die Frage, ob es noch Orte gäbe, an die er reisen möchte, antwortet Ransmayr weise: «Zunächst gibt es keinen Ort, den ich je besucht habe, an den ich nicht gerne noch einmal reisen würde. Schließlich gilt ja nicht nur, dass man nicht zweimal in demselben Fluss baden, sondern auch, dass man an keinen Ort seiner Geschichte, und sei es die eben verlassene Wohnung, wirklich zurückkehren kann. Weil es also ohnedies nur mehr oder weniger unbekannte Orte gibt, die vor uns liegen, überlasse ich die Entscheidung über das nächste Ziel lieber dem Zufall.»

 

 

In einem Porträt des Autors, das Martin Pollack unter dem Titel «GnadenloseGenauigkeit» im Jahr 2009 verfasste, beschreibt er Ransymayrs Umgang mit dem Unterschied zwischen Fiktion und Fakten, welcher auch für den «Atlas eines ängstlichen Mannes» symptomatisch ist: «Ransmayr ist ein genauer Beobachter und ein sorgfältiger, penibler Rechercheur. Was er sich vorstellt oder gesehen hat, kann er in eine plastische Sprache fassen. Diese Qualitäten zeichnen seine Reportagen und seine erfundenen Geschichten aus. Wie Ransmayr selber schätze ich den Unterschied zwischen den journalistischen und den fiktionalen Werken eher als gering ein. Typisch für ihn ist, dass er vom Faktischen zum Fiktionalen kommt. Am Beginn der Entstehung von <Die Schrecken des Eises und der Finsternis> standen Fotos, zu denen er einen Text schreiben sollte. Aus diesem Schreibauftrag entwickelte er eine elaborierte Erzählung. Die fiktionalen Figuren treten vor einem Faktenhintergrund auf.»

 

Auch im «Atlas» sind es nicht nur reale Reisen, um die es geht, sondern mythische, existentielle Begebenheiten. Jede Episode hebt mit einem «Ich sah …» an. Petra Gropp fragt den Autor dazu: «Wieso ist dieses Motiv des Sehens dasjenige, das die Episoden verbindet?» und Ransmayr antwortet: «Sehen ist ja nicht bloß eine optische Erfahrung. Wer die Welt wahrnehmen will, wendet seinen Blick immer auch gleichzeitig in sein Inneres und wird dort, was auf seiner Netzhaut erscheint, verwandelt oder zumindest gespiegelt finden, verzerrt oder verklärt, vielleicht auch klarer als irgendwo sonst. Dabei hat es der Erzähler aber nicht, wie der Seher und Prophet, bloß mit der Zukunft zu tun, sondern mit allen Zeiten. In seiner Geschichte erscheinen die Dinge ja eingebettet in den Lauf der Zeit und weisen unter Umständen nach allen Zeit- und Himmelsrichtungen über den Augenblick hinaus.»

Bei Christoph Ransmayrs Lesung am 26. Jänner im Rahmen des Zyklus «Originalton» wird es neben der Erzählung auch die Musik sein, die über den Augenblick hinaus weist. Ransmayrs Worte finden ihren musikalischen Widerhall in den Klängen eines relativ jungen Schlaginstrumentes, dem Hang. Der Schlagwerker Peter Rosmanith gibt dem Publikum mit diesen in der Schweiz entwickelten, vielseitigen Klangschalen Raum für neuerliche Reisen im Kopf. Auf seiner Website finden sich Hörproben seiner CD «Schneesand», die zeigen, wie sich in der Musik völlig mühelos unterschiedlichste Traditionen verbinden und neue Hörweisen möglich machen.

22.01.2015 um 16:35 | Publiziert in: Literatur | 0 Kommentar(e)

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