Konzerthaus – Porträts – Die Strottern
Die Strottern

Die Strottern © www.lukasbeck.com

Die Strottern

«Nach etwas Verwertbarem suchen» kann der altwienerische Ausdruck «strotten» etwas holprig ins Hochdeutsche übersetzt werden. Klemens Lendl und David Müller haben sich des Wienerischen neu bemächtigt, ohne ihm dabei seine Lautmalerei zu nehmen. Zwischen zeitgenössischer Poesie und Gstanzltum verortet sich ihre Kunst, die in oft sparsam eingesetzten Worten die Wiener Großstadtrealität zwischen Avantgarde und Nostalgie erklärt. Die Musik bleibt dabei zutiefst wienerisch, verneigt sich vor der Vergangenheit, ohne der Gegenwart den Rücken zu kehren.

Weil Tradition oft daherkommt wie ein vom Aussterben bedrohtes Eichkatzerl, wird sie oft unter dem Signum des Bewahrens in musealem Ambiente unter Verschluss gehalten. Nun haftet der Wienerlied-Szene schon seit Jahren nicht mehr jenes Schubladendenken an, mit dem sie sich lange Zeit ihrer Entstaubung erwehrt hat. Begibt man sich pioniergeistig in traditionelle Gefilde, lohnt es sich, den kultivierten Lurch mit Samthandschuhen abzuwischen. Mit viel Fingerspitzengefühl entdeckt man dann, was ansonsten verborgen bliebe. In diesem sensiblen Terrain tänzeln die Strottern elegant zwischen schwer gezogenen Traditionslinien und verwandeln den heiklen Balanceakt in einen poetischen Seiltanz. Und worin bestünde die Ästhetik des Seiltanzes ohne die Schwerkraft, ohne den Boden? Klemens Lendl (Violine, Gesang) und David Müller (Gitarre, Gesang) pflegen und gießen ihren künstlerischen Nährboden wie einen Schrebergarten zwischen Stadlauer Vorstadt und urbanem Innenstadtschick und ernten dafür Applaus aus allen Richtungen.

Bekannt für ihre Brückenschläge zu anderen Musikstilen oder Kunstformen, arbeiten Die Strottern auch in ihrer Porträtreihe im Wiener Konzerthaus mit dem fruchtbarsten Nachwuchs und Urgesteinen der Wiener Szene zusammen. Der Dichter Peter Ahorner zählt dabei wahrscheinlich eher zur zweiten Kategorie, ein Wortzauberer, der längst in einem Atemzug mit H. C. Artmann genannt wird. «Die Strottern haben einfach eine unbeeinflussbare Eleganz. Ihren Zauber macht aus, dass sie nie hudeln. Ihre Musik ist sehr intensiv. Sie erfordert Aufmerksamkeit, und die bekommt sie auch», beschreibt Ahorner den wunderbar intimen Moment in der Musik seiner langjährigen Bühnenpartner.

Mit «Die Strottern & Blech» wird die Intimität des Duos aufgebrochen und um jenes Instrumentarium bereichert, das normalerweise gar nichts im Wienerlied zu suchen hat. Grund genug für Martin Eberle und Martin Ptak, ihre zartesten Töne unter Beweis zu stellen. Auch mit dem Ensemble Mikado macht sich das Wienerlied-Duo auf die Suche nach Anknüpfungspunkten und findet sie in der Melancholie und in der heimlichen Lust, darin aufzugehen. Und selbst in ihren größenwahnsinnigsten Momenten – unterstützt von dem 16-köpfigen Retro-Filmmusikorchester Velvet Elevator – lassen Die Strottern einen ausgedehnten Spagat wie einen leichtfüßigen Knicks wirken. Mit viel Weitblick sieht man dann vom Wiener Kahlenberg über die Alpen bis nach Hollywood, breitet sich das Wienerlied fast überzeitlich in Vergangenheit und Zukunft aus.

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