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Antoine Tamestit

Antoine Tamestit © Birkenholz (Ausschnitt)

Antoine Tamestit

Mit einem differenziertem Vortrag, der «zwischen äußerster Dramatik und luzider Zerbrechlichkeit changiert», bringt Antoine Tamestit Violakonzerte von Neuwirth und Schnittke genauso zur Aufführung wie Musik früherer Epochen. Doch neben der großen Konzertliteratur liegen ihm auch kammermusikalische Werke von Brahms bis Penderecki am Herzen. Nun präsentiert Tamestit das breite Spektrum seines Könnens in Wien – auf Stradivaris erster Viola von 1762.

Musiker, die die Viola spielen, sind stets auf der Suche nach ihrer besonderen Rolle in der Musik. «Wir wissen nicht immer, ob wir Kammermusiker oder Solist sind, ob wir Recitals spielen wollen oder mit Orchester», sagt Tamestit in einem Interview. Deswegen schrieb Jörg Widmann 2015 für ihn ein Violakonzert, das auf theatralische Weise eine Art Selbsterkundung erzählt. Die Partitur enthält szenische Anweisungen, denen zufolge der Instrumentalist verschiedene Standorte aufsuchen muss. Der Star-Bratschist kann «die Idee dieser Reise, dass ich mein Instrument entdecke», nachvollziehen. «Was kommt von meinem Herzen, was von meinem Bauch, was ist die Emotion?»

Immer wieder findet man in Berichten über Antoine Tamestit ein Vokabular, das auch einen Sänger beschreiben könnte. Von einem «reichen, burgunderartigen Timbre» ist die Rede sowie von «zart nuancierter Phrasierung» und «seelenvoller Intensität». «Zudem bin ich ja auch noch mit einer Sängerin verheiratet!», betont er. «Ich versuche mich von diesem Klang inspirieren zu lassen, der einfach ganz natürlich aus dem Körper heraus entsteht. Dazu gehört dieses endlose Legato und dieses bedeutsame Atmen zwischen einzelnen Phrasen.» Kein Wunder, dass Olga Neuwirth ihr 2009 für Tamestit geschriebenes Violakonzert «Remnants of songs» nannte. Ihr Solostück «Weariness Heals Wounds I» ist Teil eines Recitals von Tamestit, der gemeinsam mit Kammermusikpartnern aber auch Klassiker wie Schuberts Arpeggione-Sonate oder Raritäten wie Loefflers «Le son du cor s'afflige» bietet. Nach eigenem Bekunden übt Tamestit bei Klassikern der Moderne mitunter «wie ein Student, langsam und mit Metronom», während «ich bei anderen Kompositionen wie der Arpeggione-Sonate von Schubert oder den Märchenbildern von Schumann, die ich wie meine Westentasche kenne, eher dazu neige, Risiken einzugehen und zu experimentieren».

Sein Engagement für weniger vertraute Violamusik wie die von Max Reger, Henri Dutilleux und Johann Nepomuk Hummel zeigt sich in seinen Konzerten und CD-Veröffentlichungen. Selbst wenn Hector Berlioz in seiner berühmten «Instrumentationslehre» der Bratsche eine «tiefe Schwermut» zuschrieb, ist sie für Antoine Tamestit zu einem Instrument geworden, mit dem er die Grenzen des Solokonzertrepertoires erweitert und neue Dimensionen ihres Klangspektrums, «angefangen von der wunderbaren Tiefe auf der C-Saite bis hinauf zum Gesang auf der hohen A-Saite», erkundet.

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